Israel unter den Königen Saul, David und Salomo


Israel unter den Königen Saul, David und Salomo
Israel unter den Königen Saul, David und Salomo
 
»Und das ganze Volk zog nach Gilgal, und sie machten dort Saul zum König vor Jahwe in Gilgal.« Mit diesen Worten berichtet das 1. Buch Samuel von der Einführung des Königtums in Israel kurz vor der Wende vom 2. zum 1. Jahrtausend v. Chr. Israel trat nunmehr als Reich in Erscheinung und überwand seine bisherige Existenzform als lockerer Verband von 12 Stämmen, der nur im Kriegsfall unter der Leitung von charismatischen Heerführern (Richtern) gemeinsam agierte.
 
Saul war es gelungen, als Führer des aus den verschiedenen israelitischen Stämmen erhobenen »Heerbanns« den Ammoniterkönig Nahasch zu besiegen. Nahasch hatte die im Ostjordanland gelegene Stadt Jabesch angegriffen, wobei er eine Schwächung der israelitischen Stämme im Westjordanland ausnutzte. Dort wurden die Israeliten durch die Philister bedrängt, ein Volk, das im Zuge des »Seevölkersturms« am Ende des 2. Jahrtausends nach Palästina gelangt war. Die Philister hatten einige kanaanäische Städte unter ihre Herrschaft gebracht (z. B. Gaza und Aschkalon) und schickten sich um 1000 an, auf der ganzen syro-palästinensischen Landbrücke die ehemals ägyptische und hethitische Oberherrschaft zu übernehmen.
 
Lange hatten sich die Stämme dagegen gesträubt, ein Königtum zu errichten, denn als König galt allein Jahwe. Doch gegen die zunehmende Bedrohung der Philister konnten sich die israelitischen Stämme nur durch geschlossenen und beständigen Widerstand behaupten.
 
Dem Königtum Sauls gehörten wohl zunächst die von der Philisterbedrohung am unmittelbarsten betroffenen nordisraelitischen Stämme an, die später das Nordreich Israel bildeten, dann auch der starke Stamm Juda, auf den das spätere Südreich Juda zurückging. Eine Verwaltungsstruktur mit einem leistungsfähigen Beamtenapparat - wie später unter David und Salomo - gab es unter Saul noch nicht; auch eine Residenz wurde, abgesehen von den Resten einer Saul zugeschriebenen kleineren Königsburg in Gibea, erst im davidischen Jerusalem eingerichtet.
 
Saul vertrieb zwar die Philister aus den israelitischen Gebieten, ein endgültiger Sieg gelang ihm aber nicht; dazu war das Königtum noch nicht gefestigt genug. Das saulidische Heer wurde in der Schlacht bei Gilboa geschlagen, und Saul gab sich dort selbst den Tod (um 1004). Nicht zuletzt scheint - etwa neben der Abwendung des Propheten und Richters Samuel, weil Saul seine religiösen Anweisungen nicht befolgte - die Konkurrenz, die Saul in dem jungen und militärisch erfolgreichen Gefolgsmann David erwuchs, für den Untergang Sauls verantwortlich gewesen zu sein.
 
David zog immer mehr die Bewunderung der Israeliten auf sich (»Saul erschlug tausend, David aber zehntausend«); als Zitherspieler und Krieger an den Hof Sauls gerufen, erkannte dieser schnell die Gefahr, die ihm in David erwuchs, und versuchte mehrmals, ihn zu töten. Nach Sauls Tod wurde David König in Hebron über den Stamm Juda, bei dem er durch kluge Politik zu Ansehen gekommen war; nach dem Tod Ischbaals, eines Sohnes Sauls, der König über die mittel- und nordpalästinensischen Stämme geworden war, trugen auch die Ältesten dieser Stämme David die Königsherrschaft an. So vereinte er schließlich alle israelitischen Stämme in seinem Königtum (um 1000) und konnte an die Sicherung und den Ausbau seiner Herrschaft gehen. Er eroberte die jebusitische Stadt Jerusalem, die auf der Grenze zwischen Israel und Juda lag, und baute sie zur Residenz aus. Siege über die Philister, die Moabiter, Aramäer von Damaskus, Edomiter und Syrer sicherten ihm bald die Oberherrschaft über ganz Palästina und dehnten sein Herrschaftsgebiet bis nach Mesopotamien aus. Die internationale Machtkonstellation war dabei sehr günstig: Das Hethiterreich war um 1200 untergegangen, die Ägypter geschwächt, die mesopotamischen Reiche mit sich selbst beschäftigt; so entstand ein Machtvakuum, das Israel ausfüllen konnte.
 
David wurde durch ein Orakel des Propheten Nathan (2. Sam. 7) zum Begründer einer Herrscherdynastie und setzte Salomo als Nachfolger ein. Einige Unruhen um die unmittelbare Thronfolge führten im letzten Teil von Davids 40-jähriger Regierungszeit (ca. 1004-965) zu innenpolitischen Instabilitäten, die zudem durchsetzt waren mit sozialen Konflikten und Spannungen zwischen dem Nord- und dem Südreich. Salomo konnte sich letztlich durchsetzen; unter seiner Herrschaft erlebten die vereinten Reiche eine Blüte. Salomo suchte friedliche Beziehungen mit Ägypten und schloss ein Bündnis mit den Phönikiern, das einen groß angelegten Arabienhandel ermöglichte. Der neu erbaute Tempel in Jerusalem war Ausdruck der Pracht des salomonischen Königtums. Kunst und religiöse Literatur wurden geschätzt. Die legendäre Königin von Saba soll Salomo in Jerusalem besucht haben. Nach Salomos Tod (um 926) zerfiel jedoch die Personalunion, nicht zuletzt infolge mangelnden politischen Geschicks der Söhne Salomos.
 
Das israelitische Königtum bestand bis zum Untergang des Nordreiches Israel (722) und des Südreiches Juda (587).

Universal-Lexikon. 2012.

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